Emissionen und Klimaziele der börsennotierten Unternehmen in Österreich

Spätestens seit dem Pariser Abkommen von 2015 stehen Unternehmen in der Verantwortung, ihre Emissionen zu reduzieren und Klimaneutralitätsziele festzulegen. Unternehmen spielen eine entscheidende Rolle bei der Begrenzung der Erderhitzung auf 1,5 Grad, sei es durch ihren Energie- und Materialverbrauch, ihre Produkte und Dienstleistungen oder ihr politisches Lobbying. Doch welche österreichischen Unternehmen nehmen diese Verantwortung bereits wahr – und welche hinken noch hinterher?

Besonders relevant sind hier die ATX-Konzerne , die 20 größten börsengehandelten Unternehmen Österreichs. Diese Unternehmen prägen die Wirtschaft maßgeblich und haben daher einen erheblichen Einfluss auf die nationalen Emissionen. Wir haben ihre Treibhausgas-Bilanzen in drei Emissionskategorien Scope 1-3 untersucht.

Das Diagramm ermöglicht einen Vergleich von bis zu sieben ATX-Unternehmen in diesen drei Emissionskategorien. Wichtig bei der Interpretation ist, dass die Angaben nicht immer direkt vergleichbar sind, da Unternehmen ihre Emissionen unterschiedlich detailliert berichten. So können etwa Emissionen aufgrund der Einbeziehung neuer Kategorien in späteren Jahren steigen. Zusätzlich zeichnen sich unterschiedliche Branchen durch Eigenarten in der anteiligen Verteilung in den Emissionskategorien aus. Dies zeigt die Dynamik und Komplexität von Emissionsberichterstattung.

Weitere Informationen zu Hintergrund und Methodik ist am Ende der Seite angefügt.

FAQ

 

Wieso erstatten manche Unternehmen Bericht über Ihre Nachhaltigkeit?

Seit 2015, als die Klimaziele von Paris verabschiedet wurden, berichten immer mehr Unternehmen über ihre Nachhaltigkeit. Die Gründe dafür sind vielfältig: Sie wollen Risiken besser managen, ihre internen Abläufe kontrollieren, rechtlichen Verpflichtungen nachkommen und ihr Engagement für Nachhaltigkeit zeigen. Auch die historische Unternehmenskultur spielt eine Rolle.

In Österreich waren Unternehmen bereits seit 2017 zur Berichterstattung über Nachhaltigkeit im Rahmen des“Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz” (NaDiVeG) verpflichtet, basierend auf der EU Verordnung “Non-Financial Reporting Directive” (NFRD).

 Zukünftig wird die neue CSRD-Verordnung der EU über 1000 österreichische Unternehmen verpflichten, gleichzeitig mit ihren finanziellen Jahresberichten detaillierte Angaben zu ihren Emissionen und Emissionszielen zu veröffentlichen. Wobei der neue OMNIBUS Vorschlag der EU Kommission die Zahl der berichtspflichtigen Unternehmen in Österreich stark reduzieren würde (Kurzstudie).

Wieso werden ausgerechnet ATX-Unternehmen untersucht?

Um die richtigen Maßnahmen ableiten zu können, ist eine Kenntnis des Status quo der Emissionen in der Wirtschaft notwendig. Allerdings messen Stand 2024 die meisten österreichischen Unternehmen ihre Emissionen nicht und können daher auch nicht dazu berichten. Anders bei ATX-Konzernen, die als die 20 größten börsengehandelten Unternehmen nicht nur die österreichische Wirtschaft prägen, sondern laut geltendem EU-Recht auch zur Messung und Offenlegung ihrer Umweltauswirkungen verpflichtet sind (siehe oben). 

Aktuell ist uns allerdings keine öffentliche Datenbank bekannt, die die klimarelevanten Aktivitäten und Treibhausgasbilanzen sowie Klimaneutralitätsziele und Reduktionsziele österreichischer Unternehmen verfügbar und verständlich macht. Daher stützen wir uns in der ersten Version dieses Projekts auf die Daten, die in der manuellen Auswertung ihrer Nachhaltigkeitsberichte erhoben werden konnten.

Was sind Treibhausgas-Bilanzen?

Der Begriff Treibhausgasbilanz wird verwendet, weil es sich um eine detaillierte Aufstellung aller Treibhausgasemissionen handelt, die einem Unternehmen zugerechnet werden können. Eine solche Bilanz bietet eine systematische Übersicht über die Quellen und Mengen der ausgestoßenen Treibhausgase, was für die Bewertung und das Management der Emissionen unerlässlich ist.

Wie werden Treibhausgas-Bilanzen auf Unternehmensebene berechnet?

Das Greenhouse Gas Protocol ist einer der meistgenutzten internationalen Standards zur Berechnung dieser unternehmensbezogenen Treibhausgasemissionen. Es umfasst  detaillierte Vorgaben zur Berechnung und unterscheidet zwischen drei Emissionskategorien:Scope 1, Scope 2 und Scope 3.

- Scope 1 bezeichnet Emissionen, die direkt bei der Produktion entstehen, etwa durch die Verbrennung von Öl, Kohle oder Gas in den Anlagen eines Unternehmens.

- Scope 2 umfasst Emissionen, die bei der Erzeugung zugekaufter Energie, wie elektrischer Strom oder Wärme, entstehen. Erzeugt ein Unternehmen die Energie selbst, werden diese Emissionen nicht als Scope 2 bilanziert, sondern als direkte Emissionen unter Scope 1 bilanziert.

- Scope 3, umfasst die Emissionen aus der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette. Diese Differenzierung ermöglicht eine präzise und umfassende Erfassung der gesamten Treibhausgasemissionen eines Unternehmens. Typischerweise entstehen in dieser Kategorie durchschnittlich 85 % der Emissionen eines Unternehmens. Diese Kategorie wird aber gleichzeitig am wenigsten genau berechnet, da sie größtenteils auf Schätzungen auf Grundlage von Branchendurchschnitten, Finanzinformationen und Näherungswerten basiert ( siehe Nature.com)

Was genau versteht man unter “Scope 1, Scope 2, Scope 3”?

Ein Scope ist eine Emissionskategorie gemäß Greenhouse Gas Protocol (siehe oben), nach dem Unternehmen ihre Treibhausgasbilanz berechnen. Es gibt drei Kategorien, daher auch drei “Scopes”. Alle gemeinsam ergeben die Summe der Treibhausgasemissionen eines Unternehmens.

Kategorie: Scope 1 Emissionen beziehen sich auf die direkten Treibhausgasemissionen, die von einer Organisation oder einem Unternehmen verursacht werden. Das bedeutet, dass sie aus Quellen stammen, die sich innerhalb der Kontrolle oder direkten Einflusssphäre der Organisation befinden. Diese Emissionen entstehen typischerweise durch Aktivitäten wie Verbrennung fossiler Brennstoffe in Fabriken oder Fahrzeugen, Prozesse in der Produktion oder durch chemische Reaktionen in industriellen Anlagen.

Kategorie: Scope 2 Emissionen beziehen sich auf indirekte Treibhausgasemissionen, die durch die vorgelagerte Nutzung von Energie entstehen, die von externen Quellen bereitgestellt wird. Diese Emissionen entstehen nicht direkt am Standort der Organisation, sondern resultieren aus der Erzeugung von gekaufter Energie wie Strom, Dampf oder Wärme. Beispiele für Scope 2 Emissionen sind die CO2 Emissionen, die durch die Verbrennung von Kohle, Gas oder Öl zur Erzeugung von Strom in Kraftwerken entstehen. Organisationen können diese Emissionen beeinflussen, indem sie auf erneuerbare Energien umsteigen oder ihre Energieeffizienz verbessern.

Kategorie: Scope 3 Emissionen (indirekt vorgelagert und nachgelagert) Scope 3 Emissionen umfassen alle Treibhausgasemissionen, die indirekt auf die Aktivitäten eines Unternehmens zurückgeführt werden können, die vor- oder nachgelagert der Tätigkeiten des berichtenden Unternehmens stattfinden. Anders als Scope 1 und Scope 2 Emissionen, die sich auf die internen Prozesse und den Energieverbrauch beziehen, beinhalten Scope 3 Emissionen eine breitere Palette von Quellen, die oft mit der Lieferkette oder der Nutzung von Produkten oder Dienstleistungen verbunden sind. Beispiele für Scope 3 Emissionen sind Emissionen, die durch den Transport von Waren und Materialien, die Nutzung von verkauften Produkten, Geschäftsreisen, Pendeln der Mitarbeitenden, sowie die Entsorgung von Abfallprodukten entstehen. Diese Emissionen sind in der Regel schwerer zu erfassen und zu kontrollieren, da sie oft von externen Partnern oder Kunden verursacht werden.

Warum steigen Scope 3 Emissionen von Banken & Versichungskonzernen in den letzten Jahren?

Finanzierte Emissionen sind Teil der Scope 3 Emissionen von Banken & Versicherungskonzernen. Bisher verlangte das NaDiVeG nicht, dass die finanzierten Emissionen ausgewiesen werden. Seit 2023 und 2024 weisen auch österreichische Unternehmen zunehmend die finanzierte Emissionen aus und kommen dabei teilweise auf Emissionen im Millionen Tonnen Bereich. Der Partnership for Carbon Accounting Financials (PCAF) Standard ist die Methode, die die österreichischen Unternehmen Erste Group, RBI, BAWAG verwenden. Die VIG plant 2024 erstmals die finanzierten Emissionen zu beziffern.

Finanzierte Emissionen können dabei nochmal in Scope 1, 2, 3 unterteilt werden. Wenn ein Kredit für ein Haus gegeben wird, so wären die Emissionen aus der Gasheizung Scope 1, die Emissionen aus dem Stromverbrauch Scope 2 und diverse Emissionen aus der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette (z.B. Bau) Scope 3.

Was sind Science Based Targets?

Die Science Based Targets Initiative (SBTi) ist eine Gemeinschaftsinitiative zwischen verschiedenen Organisationen, darunter Carbon Disclosure Project, dem Global Compact der Vereinten Nationen (UNO), dem World Resources Institute und dem WWF, mit dem Ziel, Unternehmen und Organisationen bei der Festlegung von Zielen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu unterstützen, die an wissenschaftlichen Klimazielen ausgerichtet sind. SBTi bietet einen robusten Rahmen für die Festlegung von Zielen, die im Einklang mit der Verhinderung einer globalen Erwärmung über 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau stehen, wie im Pariser Abkommen dargelegt. 

Für die Einordnung ist es wichtig zu wissen, dass die SBTi 2021 erst angekündigt hat, das Mindest-Ambition Level für Unternehmen von “deutlich unter +2°C” auf “+1.5°C” anzupassen. Neben diesem fehlenden Ambitionslevel gibt es Kritikpunkte an der SBTi, wie zum Beispiel, dass die aktuelle Methodik nicht genügend auf die Umstände und Möglichkeiten einzelner Unternehmensakteure eingeht. Mehr dazu auf https://www.nature.com/articles/s43247-024-01535-z 

Methoden & Datenhinweis:

Datenquelle

Als Datenquelle für die Emissionen dienten die Nachhaltigkeitsberichte der ATX Konzerne, die bis November 2024 öffentlich vorlagen. 

Während der tatsächliche CO2-Ausstoß eines Unternehmens sich natürlich nicht ändert, können sich die dazu berichteten Zahlen aufgrund unterschiedlicher Berechnungs- und Informationsgrundlage (z.B. Emissionsfaktoren) ändern.

Jüngere Nachhaltigkeitsberichte enthalten daher manchmal Korrekturen zu vorherigen Jahresdaten. Daten, die nach Ende 2024 rückwirkend angepasst wurden, sind daher in unserer Analyse noch nicht enthalten.

Methoden

Inhalt der Auswertung: Die Berichte in Bezug auf Emissionsdaten und Angabe von Klimazielen analysiert und in einem gemeinsamen Excel-Dokument dokumentiert.

Abweichende Datengrundlage: Wir haben stets die zuletzt verfügbaren Daten verwendet, d.h. wenn die Emissionen im Jahr 2018 berichtet wurden, diese aber auch im Bericht von 2022 dargestellt sind, beziehen wir uns auf die neueste Datengrundlage (2022), da sie die aktuellste Berechnungsgrundlage des Unternehmens darstellen.

Scope-Summen: Sollten Emissionen nur als Summe von zwei Scope-Kategorien, z.B. Scope 1+2, vorliegen, so sind diese Emissionen im Diagramm nicht berücksichtigt. 

Scope 2 Berechnungsmethode: Bei Scope 2 gibt es für die zugekaufte Energie zwei Berechnungsarten: marktbasiert und standortbasiert, die sich teils deutlich unterscheiden können. Wir weisen im Diagramm darauf hin, welche Methode angezeigt wird; die Werte sind auch im Tabellendokument eingetragen. 

Erweiterung von Scope 3: Während bei Scope-3-Emissionen anfangs vor allem Geschäftsreisen mit eingerechnet wurden, hat sich der Umfang hier in den letzten Jahren ausgeweitet. Wenn ein Unternehmen etwa produktbezogene Emissionen neu mit einbezogen hat, erscheint dies im Diagramm als Anstieg, obwohl in Wahrheit nur die Bilanz vollständiger wurde. Daher kann nicht jedes Jahr mit dem Folgejahr verglichen werden.

Wir haben die Zahlen nach bestem Gewissen recherchiert. Trotz sorgfältiger Prüfung können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Wir übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der Daten. Sie sind nicht rechtsverbindlich und stellen keine Anlageberatung dar. Feedback, Korrekturen und Anmerkungen bitte an team@klimadashboard.org.

Fragen und Antworten

  • Nach welchen Standards arbeitet das Klimadashboard?

    Jede unserer Grafiken bzw. Visualisierungen enthält einen Hinweis auf die verwendete Datenquelle, damit es möglich wird, die Glaubwürdigkeit, Aktualität und Relevanz der Daten einzuordnen, nachzuvollziehen und nach Interesse auch recherchieren zu können. Wir visualisieren primär Daten von öffentlichen Behörden und anerkannten wissenschaftlichen Institutionen. Unsere Visualisierungen entstehen in enger Zusammenarbeit mit Expert*innen aus den jeweiligen Fachbereichen.

  • Dürfen Grafiken und Daten weiterverwendet werden?

    Alle Grafiken dürfen gern wiederverwendet werden, egal ob für Unterricht, Berichterstattung oder andere Zwecke. Jede Grafik kann oben rechts als Bild oder interaktiver iFrame exportiert werden. Darüber hinaus verlinken wir bei fast allen Grafiken auf den Rohdatensatz. Diese Datensätze dürfen mit Verweis auf die ursprüngliche Quelle (und Beachtung der jeweiligen Bestimmungen des Ursprungs) gern verwendet werden, um eigene Grafiken zu erstellen. Bei Fragen steht das Team gerne unter team@klimadashboard.org zur Verfügung.

  • Wer baut das Klimadashboard und wie finanziert es sich?

    Die Klimakrise ist komplex, viele Daten bleiben unzugänglich. Wir machen sie verständlich – mit interaktiven Visualisierungen für Politik, Medien und Zivilgesellschaft. Herausforderungen, Folgen, Lösungen: kompakt und klar aufbereitet.

    Das Klimadashboard ist ein gemeinnütziges, interdisziplinäres Projekt aus Design, Wissenschaft, Kommunikation und Technik – frei zugänglich, ohne Paywall. Möglich durch ehrenamtliches Engagement, Preisgelder und Spenden.

  • Welche Ziele verfolgt das Klimadashboard?

    Unsere Arbeit verfolgt das Ziel, die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens und die damit verbundenen Transformationen durch Daten und Fakten einzuordnen, sodass sie wissenschaftlich fundiert und sozial gerecht ablaufen können. Wir möchten eine verlässliche Quelle für aktuelle und regionale Daten zur Klimakrise sein. Neben der Zivilgesellschaft insgesamt sprechen wir insbesondere Medienschaffende, Lehrende und politische Entscheidungsträger*innen an, wobei wir datenbasierte Berichterstattung und wissenschaftlich fundierte Klimapolitik fördern möchten. Dafür arbeiten wir laufend an neuen Visualisierungen und sind in regelmäßigem Austausch mit Wissenschaft, Medien, Politik und Zivilgesellschaft – jedoch inhaltlich stets unabhängig.

  • Wie zitiere ich Grafiken des Klimadashboards?

    Du kannst Grafiken des Klimadashboards gerne in wissenschaftlichen Arbeiten oder anderen Veröffentlichungen verwenden. Wenn du zum Beispiel die Grafik zu den produktionsbedingten Emissionen in Österreich verwenden möchtest, zitiere sie wie folgt:

    Klimadashboard. (2025). Produktionsbasierte Emissionen. Klimadashboard Österreich. Abgerufen am [Tag] [Monat] [Jahr] von https://klimadashboard.at/emissionen
    Im Text: (Klimadashboard, 2025)

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